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Der größte Schatz

Der größte Schatz eines Menschen ist nicht seine Gesundheit und auch nicht sein Vermögen, sondern seine Lebensenergie. Diese Lebensenergie ist unser Kapital, mit dem wir geboren werden. Sie ist zur Erhaltung der Gesundheit notwendig, aber auch zur Regenerierung und Verjüngung des Körpers. Wir setzen sie ein, um zu erschaffen und zu manifestieren. Es macht also Sinn, sich hin und wieder die Frage nach dem eigenen Umgang mit diesem kostbarsten aller Rohstoffe zu stellen. 

Ich stelle hier in einer Kurzform ein sechs Punkte zusammen, die sehr viel Energie kosten. Sie wirken wie ein offenes Portemonnaie, aus dem ständig Geld rieselt, ohne dass ein Gegenwert dazu das Leben bereichert. Diese Energie ist erst einmal verloren und kann nur mit großer Anstrengung teilweise zurück gewonnen werden. 

Zwei Bereiche klammere ich an dieser Stelle aus, obwohl sie enorm viel Energieverlust mit sich bringen: Süchte und Depressionen. 

Hier die anderen sechs:

1. In der Vergangenheit leben. 

Wer mit seinen Gedanken an Dingen hängt, die vorbei sind, verliert Energie. Unsere Vergangenheit verändert sich zudem fortlaufend, was bedeutet, dass unsere Erinnerung ohnehin im Laufe der Zeit immer ungenauer wird. 

Etwas anderes ist es, Vergangenes bewusst zu analysieren und zu integrieren. Hierbei wird die Erfahrung und die Weisheit, die gewonnen wurde, gewürdigt und wertgeschätzt.  Erinnerungen können inspirieren und wie kleine Juwelen die Zukunft bereichern. 

Wer sich selbst quält mit ‚hätte ich doch‘ oder ‚wäre das doch nur…‘, verliert aus den Augen, dass der Ausgang von nicht eingetretenen Ereignissen im Spekulativen bleibt. Wie es wirklich geworden wäre, ist ungewiss. 

In einem Schmerz stecken bleiben ist auch eine Form des Lebens in der Vergangenheit. Mir ist das selbst in meinen Dreißigern passiert, weil ich es nicht besser konnte und wusste. Ich habe über Jahre hinweg Hilfsangebote ausgeschlagen, weil ich mich so in meiner Identität als Opfer dieser und jener Umstände eingerichtet hatte, dass ich mir keine Alternative vorstellen konnte. Mein Körper hat das dann geregelt und mich so aus dem Verkehr gezogen, dass ich loslassen und mich in eine neue Richtung bewegen MUSSTE. Ich hatte einen Berg körperlicher Beschwerden, die alle wieder verschwunden sind, als ich endlich bereit war, mich neu zu erleben. 

Das Leben ist in sich stets perfekt, wir können es nur nicht immer so sehen. 

2. In der Zukunft leben. 

In der Zukunft zu leben bedeutet, den Moment zu verpassen und zu vergessen, dass die einzige Zeit, die wir aktiv beeinflussen können, die Gegenwart ist. In der Gegenwart streuen wir die Samen für die Blumen von morgen. Nur in der Gegenwart sind Inspiration und innere Führung möglich.

Die Zukunft zieht uns, ebenso wie die Vergangenheit, ein Stück aus unserem Körper, der nur in der Gegenwart existieren kann. Wir werden dadurch anfälliger für Fremdenergien, die sich in die Leerstellen setzen und zusätzlich Energie abziehen.

Was ist der Unterschied zwischen einer Vision für die eigene Zukunft haben und in der Zukunft leben? 

Eine Vision ist mit Freude in und an der Gegenwart verbunden. Ich freue mich über die Bausteine, die ich heute aneinander füge. Ich bin dankbar für die Gelegenheiten, die sich mir jetzt bieten, schon so zu leben, als wären alle Träume bereits erfüllt. Vielleicht habe ich noch nicht den großen Garten, den ich mir wünsche, aber ich habe Blumentöpfe oder irgendwo ein Beet um einen Straßenbaum und bepflanze die, wie ich auch meinen Garten bepflanzen möchte.

Manche Menschen träumen sich so intensiv in eine erhoffte Zukunft, dass sie die Gegenwart komplett vernachlässigen. Sie leben in einer‚das lohnt sich nicht mehr‘ oder ‚das ist nicht das was ich will‘-Haltung und in ständigem Widerstand zur Gegenwart. Die Inspiration hat es dann ohnehin schwer und wenn sie durch kommt, wird sie verworfen. Dabei wird oft erst im Rückblick sichtbar, warum die Inspiration einen Menschen auf Wege schicken kann, die scheinbar gar nichts mit den Wünschen und Zielen für die Zukunft zu tun haben. Wir sammeln dann Bausteine, von denen wir noch gar nicht wissen, dass wir sie brauchen werden. Unser größeres Selbst weiß es. 

3. Widerstand gegenüber dem, was ist

Das ist eigentlich ein ganz, ganz alter Hut, scheint sich aber immer noch nicht herumgesprochen zu haben.

Widerstand kostet richtig viel Energie. Wenn ich etwas in diesem Moment nicht ändern kann, hat es überhaupt keinen Sinn, sich dagegen aufzulehnen. Bei Ereignissen ist es sogar so, dass ich stärke, wogegen in in Opposition gehe. Ich gebe dann meine Energie an das, was ich nicht will. 

Wenn ich etwas verändern will und kann, muss ich mein Anliegen positiv angehen. Ich will eine andere Politik? Dann muss ich dieses Anliegen auch so formulieren, anstatt meine Energie in eine Anti-Haltung zu stecken.

Ich will, dass es abends nicht so früh dunkel wird, weil mich das deprimiert? Sorry, das wird nichts. Aber eine schöne Beleuchtung, ein gemütliches Zuhause und stimmungsaufhellende Nahrung, das geht.

Grundsätzlich gilt hier: ‚Action speaks louder than words’ oder ‚Worte sind gut, Taten sind besser.‘ Eine Tat, sei sie auch noch so klein, lenkt meine Energie dahin, wo ich sie haben will, mehr als Worte es können. 

4. Tätigkeiten ohne Beteiligung der Seele 

Tätigkeiten ohne Beteiligung der Seele kosten Energie und machen müde. Eine Tätigkeit mit Beteiligung der Seele trägt etwas Ewiges in sich. Das Tun ist dann angereichert durch Qualitäten, die unvergänglich und ewiglich sind. Wenn du Freude bei etwas empfindest, nährt es dich auch. Freude ist im Unterschied zu Spaß und Vergnügen eine ewige Qualität.  

Alles, was dem Wachstum und der Entwicklung dient, nährt – es sei denn, man sträubt sich dagegen. Dankbarkeit und Wertschätzung schenken Energie ebenso wie Leidenschaft und Kreativität.

Alles, was es überhaupt wert ist getan zu werden, ist es auch wert, mit Liebe getan zu werden. 

Vor vielen Jahren hat ein Engel diesen Satz zu mir gesagt und er hat sich mir tief eingeprägt. Mit diesem Satz lässt sich buchstäblich jede Tätigkeit verändern. In einem meiner Jobs gehörte Fegen zur täglichen Aufgabe. Das hat mich erst mal nicht sehr begeistert, doch dann habe ich mir vorgenommen, etwas daraus zu machen. Ich habe mir vorgestellt, wie die Erde mit jedem Fegen ein bisschen sauberer wird oder wie ich bunte Farben auf dem Boden verteile und verwirbele. Auf diese Weise war jedes Fegen anders und es war niemals langweilig.

Nahezu jeder Mensch erlebt Dinge, die er oder sie lieber nicht erleben möchte. Das kann eine Konsequenz davon sein, dass unsere Seele eine Kurskorrektur vornimmt. Auch andere Gründe können eine Rolle spielen, nur eines ist nie der Fall: Unsere Seele arbeitet niemals mit Strafen. Strafen sind ein menschliches Konzept, eine Form der Kontrollausübung. 

In unseren tiefen Krisen liegt ein enormes Wachstumspotential und nicht selten sehen wir im Rückblick, wie wichtig auch eine schmerzhafte Erfahrung für die Entwicklung gewesen ist. Eine schmerzhafte Erfahrung raubt zunächst Energie und trübt die Wahrnehmung, auf lange Sicht kann sie ein mehrfaches an Energie freisetzen.

Wann fehlt denn die Beteiligung der Seele? 

Kurz gesagt, die Seele zieht sich zurück, wenn die Liebe fehlt, das Leben flach wird und keine Entwicklung stattfindet. Grundsätzlich ist auch gegen einen Tag mit Netflix nichts einzuwenden, doch auf längere Sicht ist Fernsehgucken ist kein Ersatz für’s Leben. Wer sich fortlaufend aus der Gegenwart wegbeamt mit allem möglichen Entertainment, verliert den Kontakt zu sich und zu seiner Seele. 

Hier noch ein kleiner Exkurs zu einem sofort fühlbaren Energieverlust:

Ein gutes Gespräch unter FreundInnen nährt – Gespräche ohne Herzensbeteiligung machen müde. Das kennt wahrscheinlich jeder: Man kommt nachhause nach einem Nachmittag oder Abend mit anderen Menschen und fühlt sich ausgelaugt und möchte sofort noch etwas essen oder trinken. Das ist ein klassisches Anzeichen dafür, dass zu wenig Kommunikation aus dem Herzen stattgefunden hat. Im Kontakt ging Energie verloren und man fühlt sich diffus unzufrieden anstatt seelisch genährt und ‚satt‘. 

5. Das Leben von jemand anders leben. 

Damit meine ich, sich bewusst oder unbewusst danach richten, was andere von dir erwarten. Zugegeben, es ist nicht so ganz einfach, die eigenen Wünsche und Vorstellungen von denen unserer Familie und unserem engsten Umfeld zu trennen. Es kostet Kraft und Aufmerksamkeit sich selbst gegenüber, sich zu finden und abzugrenzen. Wenn du merkst, dass dich deine Tätigkeit überhaupt nicht erfüllt und du auch keine Veränderungsmöglichkeit siehst, wird es Zeit, sich über eine Kurskorrektur Gedanken zu machen. 

Eine andere Möglichkeit, nicht das eigene Leben zu leben, ist sich etwas zu wünschen, was gar nicht auf dem Lebensweg liegt. Was für eine Person die absolute Erfüllung ist, kann für dich grottenfalsch sein. Man kann auch etwas scheinbar ganz Tolles erreichen und dann merken, dass es einem weder Glück noch Zufriedenheit und Ausgeglichenheit schenkt. Deshalb wird ein guter Coach mit dir nicht automatisch das Ziel anpeilen, dass du vorgibst, sondern zunächst abklären, woher deine Wünsche sich speisen. 

Ein guter Indikator ist, ob du das, was du dir wünschst, auf jeden Fall verfolgst. Wenn du kein großer Fernsehstar wirst, spielst du dann auch auf einer Laienspielbühne? Schreibst du, auch wenn es keiner liest, weil dir das Schreiben das Gefühl gibt zu fliegen? Findest du eine Möglichkeit, deinem Traumberuf zumindest nahe zu sein? Sparst du, um deinen Traumort aufzusuchen? Wenn du einen Traum wirklich begraben musst, kannst du ganz sicher sein, dass es etwas gibt, das besser zu dir passt. 

6. Das Leben für jemand anders leben.

In manchen Phasen des Lebens ist es unvermeidlich und stimmig, ein Stück von sich herzugeben, um für jemand anders da zu sein. Eltern wissen das, die für ihre Kinder sorgen, und manchmal auch Kinder, die für ihre Eltern sorgen. Doch nur, wer für sich selbst gut sorgt, übersteht solche Phasen ohne erheblichen Energieverlust. 

Jemand anders glücklich machen zu wollen ist ein Lebenskonzept, das auslaugt und letzten Endes zum Scheitern verurteilt ist. Energieverlust und Selbstvernachlässigung führen nicht selten zu physischen Beschwerden, die dazu führen können, dass ein Mensch die Rolle des Kümmerers nicht mehr ausüben kann. Seltsamerweise wird das Aufopfern für andere immer noch romantisch verklärt und besonders für Frauen gilt es als eine Art Kompliment: ‚Sie hat sich für die Familie aufgeopfert.‘ Wenn man anders formulieren würde: ‚Sie hat sich selbst vernachlässigt und gleichzeitig dafür gesorgt, dass das Wachstum ihrer Familienmitglieder verzögert und teilweise unterbunden worden ist’ hört es sich schon gar nicht mehr so schön an. 

Von Notfällen abgesehen gilt: Sich um andere zu kümmern ist bereichernd, wenn du es gerne tust, wenn du es maßvoll tust und wenn du keine Gegenleistung verlangst. Wenn du den Kontakt zu deinen eigenen Bedürfnissen darüber nicht verlierst und auch keine Scheu davor hast, von außen an dich gestellte Erwartungen nicht zu erfüllen. 

Ich habe in meinem Leben auch zeitweise ehrenamtlich gearbeitet und hatte jedes Mal das Gefühl, ich bekomme viel mehr zurück als ich gebe. Dann gab es Phasen, wo ich mich so viel gekümmert habe, dass ich einen richtigen Alterungsschub hatte, weil ich so viel Energie verloren habe. Es ist mir gelungen, diesen Trend zu drehen und das verlorene Gleichgewicht wieder herzustellen. 

Aus meinen Erfahrungen weiß ich also, wie wichtig ist, sich immer mal wieder zu fragen: 

Was mache ich mit meiner Energie? 

Teile ich sie mir mit Achtsamkeit und Wertschätzung ein? 

Behandle ich sie wie meinen größten Schatz? 

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